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Allerdings ging die Zusammenarbeit viel weiter. Allein die bessere Möglichkeit, über die neuen Partner an Platten aus dem Westen zu kommen war ausgesprochen hilfreich für das Programm. Schließlich ist ganz klar, dass aktuelle oder ältere Platten aus der internationalen Indie-Szene beim DDR-Rundfunk nicht zu größeren Haufen im Archiv standen. Hier war Kollege Zufall mindestens zu 50% Redakteur. Immer wenn gerade mal ein Bekannter mit Reisemöglichkeiten Zeit und Lust hatte, in Westberlin einen Plattenladen aufzusuchen, war die Programmausschüttung ergiebig. (Die Residents-LP, die im Januar 87 zur Hälfte gespielt wurde kam auf diesem Weg ins Programm) Die meisten, vor allem älteren Platten wurden mir aber von Freunden zur Verfügung gestellt.

Bei den X-Mal-Konzerten lernte ich neben vielen neuen Bands (Sandow, Coma Kino, Die Art) auch Leute kennen, die wiederum Kontakte vermitteln konnten. Einer von denen war Christoph Tannert, ein Kunstwissenschaftler, den man als „Täter“ bezeichnen könnte, wenn dieses Wort nicht so negativ belegt wäre… Tannert hatte damals, und wohl auch noch heute, eine faszinierende Lust an den einfachsten Vorgängen. Ohne zerreibende Scheu vor möglichen oder offensichtlichen politischen Verstrickungen tut er nur das Förderliche und kann deshalb kaum etwas falsch machen. Andere Szene-Größen waren da weitaus reservierter.

Der Zwiespalt zwischen denen, die die kleinen Freiheiten und Nischen nutzen wollten und denen, die konsequent jeden Kompromiss an die staatliche Macht verweigerten, war für mich als offensichtlich aus dem Staatslager Kommenden nicht zu überbrücken. Es hat allerdings eine ganze Zeit gebraucht, bis ich das bemerkt habe. Andererseits vermute ich mal ganz spekulativ, dass mir diese Naivität bestimmte Entscheidungen abgenommen hat. Das einzige wofür ich mich entschieden habe, war, eine Sendung zu machen, in der Musik zu hören ist, die mir und einigen HörerInnen gefällt. Dazu gehörte im Laufe der folgenden Zeit mehr, als nur das PAROCKTIKUM zu moderieren.

Kassetten-Cover die drei von der Tankstelle

zum nächsten Kapitel: Normalisierung?

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