Parocktikum-Sessions

Für Walter Cikan und seine Produktionsabteilung war dieser Zwischenerfolg zumindest Ansporn, weiter mit mir zusammenzuarbeiten. Es folgten die „PAROCKTIKUM-Sessions“, die ich ganz eindeutig nach dem Vorbild von John Peel entwickeln wollte (was mir dann aber doch nicht gelang). Die einfachste und unbürokratischste Art an Aufnahmen von Bands heranzukommen, war der Konzertmitschnitt. Hier konnten die Kapellen erstmal alles spielen und somit aufs Band bringen, ohne Lektorat und sonstige fürsorgliche Beobachtung. Der entscheidende Nachteil war allerdings, dass die Aufnahme 1:1 von der Bühne aufs Band kam und die Abmischung den (mit Verlaub) in diesen Dingen eher unvorbelasteten Tonmeistern vorbehalten blieb. Was den Bands größtes Kopfzerbrechen bereitete. Die Aktion startete im September 1987 mit einem Konzert der anderen im Kreiskulturhaus Treptow.

Für ihren Vorschlag bezüglich der Gründung einer neuen Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Kreiskulturhaus Treptow bedanken wir uns recht herzlich. Prinzipiell sind wir an derartigen neuen Veranstaltungsformen interessiert.
KKH-Leitung an Walter Cikan, Juni 1987
Brief von Cikan an KKH als PDF (ca. 190kB) PDF-Icon

Einladung Parocktikum-Session Rückseite Einladung Parocktikum-Session

Nach den anderen folgten ebensolche Live-Sessions mit Die Art, Den Skeptikern, Rosengarten, Zorn und im Juni 1988 eine weitere Ü-Wagen-Produktion mit dem Expander des Fortschritts.

Inzwischen schien die Bereitschaft bestimmte Tabus aufzuweichen, wieder einem eher härteren Kurs gewichen zu sein. Dieser Eindruck vermittelte sich zumindest damals in der Zusammenarbeit mit der Rundfunk-Produktionsabteilung. Nach den Aufnahmen mit dem Expander des Fortschritts stellte sich heraus, dass zwei der Songs (einer davon gegen eine Reformation von Naziideologien) nicht ins offizielle Archiv durften. Der Versuch, die Dresdner Band Kaltfront in einer Studiosession zu produzieren, schlug gänzlich fehl.

…Das hat übrigens nicht nur den Grund der Überlastung. Inzwischen sind die Bandagen für PAROCKTIKUM-Produktionen etwas härter geworden. Das heißt, eigentlich nicht härter, sondern genauso hart, wie bei anderen Produktionen.

Brief an KALTFRONT, 4.3.1988

…und wurde abgelehnt. Das hatte Text- und musikalische Gründe. Man verstieg sich zu der Feststellung, dass die Songs dilettantisch seien und eine Produktion nicht gerechtfertigt wäre. … Für mich insofern problematisch, als dass mir bewiesen wird, dass „man“ sich wohl doch nicht mit „anderer“ Musik angefreundet hat. Nur die exotischen AGs und Expanders sind akzeptabel, nicht die härteren Rocksongs von Euch.

Brief an KALTFRONT, 29.3.1988

zum nächsten Kapitel: echte Studios

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